Barbara 1951

Zürich
Dietlikon
Zürich
Geroldswil
Zürich
Brugg
Schaufensterdekorateurin
Kinderkrippenpraktikantin
Kinderheimpraktikantin
Kindergärtnerin
Methodiklehrerin
Didaktiklehrerin
Zeichenlehrerin
Deutschlehrerin
Hortleiterin
Kursleiterin

APRIL 1955: Ich bin bei meiner Gotte in Flums in den Ferien. Nach dem Gebet macht sie mit dem Kissen beidseitig meines Kopfes «Bergli», dann kann ich besonders gut schlafen.

MAI 1956: Meine Eltern streiten laut und heftig. Die Glasscheiben unserer Küchentür gehen in die Brüche. Ich verkrieche mich unter den Küchentisch und fühle mich schuldig.

SEPTEMBER 1959: Ich betrachte mit meiner Freundin Doris mein erstes Zeichenbuch: Ein richtiges, gebundenes Buch, in welches ich zusammen mit meinem Vater, meinem Grossvater und meiner Gotte gezeichnet habe, seit ich mich erinnern kann. Bei allen Bildern der Erwachsenen sagen wir bewundernd «Lei!». Das Buch heisst von da an «Lei-Buch» und ich werde es mein Leben lang aufbewahren.

SEPTEMBER 1965: Meine Freundin Ursi und ich fahren mit Bus, Tram und Zug nach Urdorf, wo wir eine ehemalige Schulkollegin besuchen wollen. Da wir sie nicht antreffen, beschliessen wir, zu Fuss in die Stadt zurück zu gehen. Beschwingt schreiten wir eingehakt die Strasse hinunter durch den Wald. Ich fühle mich so frei und unbeschwert wie noch nie zuvor und ziemlich erwachsen.

OKTOBER 1987: Nach einem halben Jahr Baustelle ziehen Jean und ich von Zürich ins neu renovierte, altehrwürdige Haus meiner Vorfahren in Brugg ein. Der Respekt vor den früheren Bewohnerinnen dieses schönen Hauses begleitet mich.

NOVEMBER 1993: Nach einem schlaflosen Nachtflug nach Brasilien dürfen wir auf dem Gericht von Sao Paulo unsere zwei Töchter in Empfang nehmen. Die Spannung ist kaum auszuhalten. Jean und ich schliessen die zwei kleinen Mädchen von der ersten Sekunde an ins Herz. Es gibt kein grösseres Glück auf Erden!

NOVEMBER 2004: Ich nehme an einer Schreibwerkstatt im Zentrum «Karl der Grosse» in Zürich teil und schreibe: «Ein Teil von mir / Krempel / über Jahre / in meinem Haus / gesammelt, archiviert und gestapelt / wozu?» Einen Monat später trennen sich Jean und ich nach 31 gemeinsamen Jahren.

AUGUST 2005: In ein und derselben Woche fällt unsere Familie ganz auseinander: Die eine Tochter beginnt eine Kochlehre und zieht ins Personalhaus des Lehrbetriebs, und die andere Tochter fliegt für ein Austauschjahr nach Brasilien. Ich bleibe zurück im grossen Haus und verliere fast den Boden unter den Füssen.

JANUAR 2008: Mein Vater steht am Fenster des Pflegezentrums Wittikon neben seinem Bett, schaut auf die Stadt Zürich und sagt: «Jetzt ist grad ein Adler ins Dorf hinunter geflogen.»

JULI 2014: Die Diagnose «Brustkrebs» erschüttert mein bisheriges Leben und meine Zukunftspläne. Thomas hilft mir, die Zuversicht nicht zu verlieren.

13.02.2015